Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 

  Parodontitis, die Entzündung und Zerstörung des Zahnhalteapparats, ist mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden. Das im Volksmund »Parodontose« genannte Phänomen breitet sich immer mehr aus — trotz aller Aufklärung und Recalls. Nun gibt es einen neuen Therapieansatz.
   Von Dr. Lena Kertag
 

 
Parodontitis (PA) zeichnet sich durch Entzündung und Knochenabbau aus. Auf diese Weise entstehen dauerhafte Eingangspforten für pathogene Erreger, die dann nicht nur zu Zahnverlust führen, sondern auch Entzündungsreaktionen im ganzen Organismus hervorrufen können. Heute ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis (PA) und Folgeerkrankungen wie erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes, Atemwegs- und rheumatische Erkrankungen nachgewiesen.
 

Optische Sanierung: Unschöne freiliegende Zahnhälse bei PA können mit Kompositen und Glasfaserverbund »geschient« werden.

Optische Sanierung:
Unschöne freiliegende Zahnhälse bei PA können mit Kompositen und Glasfaserverbund »geschient« werden.


(Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber)

(Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber)


 

Die Immunabwehr stärken

Bei PA ist zweierlei notwendig: die Bekämpfung der pathogenen Keime und das Aufhalten des Knochenabbaus bzw. idealerweise die Aktivierung von Knochenaufbau. Wichtigste Prävention bei bestehender PA ist – wie bisher auch – ein enger Recall für die Professionelle Zahnreinigung (PZR), etwa alle drei bis vier Monate.
Dabei erfolgt u. a. eine subgingivale Reinigung (der Zahnfleischtaschen). Ein neuer Ansatz ist eine probiotische Therapie mit sogenannten effektiven Mikroorganismen (EM). Sie lässt Mikrowunden schneller heilen, stärkt die Selbstheilungskräfte und verhindert somit schwere Infektionen.
EM werden in Form von Zahncreme, Flüssigseife und Darmsanierung in die übliche PA-Behandlung (u. a. Ernährungsumstellung, Ozontherapie) miteinbezogen.
 
Effektive Mikroorganismen beeinflussen die Zusammensetzung der »nützlichen« und der »schädlichen« Keime des Menschen. Von einer Billiarde Mikroorganismen im menschlichen Körper sind gut 90 Prozent auf der Haut, im Mund und im Darm aktiv. Die drei Bereiche müssen behandelt werden – mit Zahncreme für den Mund, Nahrungsergänzung für den Bauch (laut einer Masterstudie ist eine gestörte Dünndarmfunktion bei PA-Patienten signifikant häufiger) und Duschgel für die Haut.
 

Den Knochenabbau stoppen

Die Bekämpfung der Entzündungsreaktionen und die Stärkung der Immunabwehr sind das eine, der Stopp des Knochenabbaus ist das andere.
Denn pathogene Keime verursachen zwar Entzündungen – aber keinen Knochenabbau.
Dafür sorgen die sogenannten Osteoklasten im Knochen. Zur Bekämpfung des Knochenabbaus wird ein »Antibiotikum«, nämlich Doxycyclin (meist als Gel), eingesetzt. Dieses Medikament aus der Gruppe der Tetracycline hat neben seiner schwachen antibiotischen Wirkung eine wichtige zweite Eigenschaft: Es dient als Kollagenasehemmer.
Eine lokale Anwendung eines speziellen Doxycyclins in dieser »nicht-antibiotischen« Funktion kann den Knochenabbau stoppen.
Auch bei PA-Patienten wollen verantwortliche Zahnmediziner die Zähne des Betroffenen möglichst lange erhalten – denn die eigenen Zähne haben immer eine bessere Prognose als Implantate.
 


 

Nachgefragt

Über Parodontitis sprach TOPFIT mit der Zahnärztin Dr. Ilse-Phil Weber.
 

Frau Dr. Weber, kann die Prognose für PAPatienten durch Professionelle Prophylaxe verbessert werden?

Dr. Weber: Ganz sicher. Denn dazu gehören nicht nur die Reinigung von Zähnen, Zunge und Wurzelansatz, sondern in unserer Praxis auch eine Anamnese und Austestung von anderen Erkrankungen bzw. Grunderkrankungen des Patienten. Oft muss z. B. das Immunsystem gestärkt werden.
Pathogene Bakterienbelastungen entstehen u. a. in einem kranken oder gestörten Darmmilieu.
Metalle im Mund, etwa bei Amalgamfüllungen, metallhaltigen Kronen oder Titanimplantaten, sind oft ein Problem. Sogar minimale Beinlängendifferenzen wirken sich auf den Kauapparat aus.
 

Welche alternativen Behandlungsmethoden setzen Sie ein?

Dr. Weber: Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Parodontitis kein isoliertes Krankheitsbild ist, sondern eine systemische Erkrankung — mit negativen Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit. Neben der Kürettage und Reinigung von Zahnfleischtaschen suchen wir ganz individuell nach Alternativen, etwa Ernährungsumstellung, antibiotisch wirkende Homöopathika u. a. Eine ganz neue Therapie ist die Behandlung mit effektiven Mikroorganismen, mit der wir gerade positive Erfahrungen machen. Mit der rechtzeitigen und individuell richtigen Behandlung kann der PA fast immer Einhalt geboten werden.
 

PA ist ein multifaktorielles Geschehen …

Dr. Weber: … richtig. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, etwa Zahnbelag (Zahnstein), Rauchen, Darmbelastung, Schwermetallvergiftung, Blasenschwäche, Mangelerscheinungen, Stress. Daneben besteht eine genetische Disposition. PA hat natürlich auch mit dem Alter zu tun – im Lauf eines Lebens werden Knochen und Zähne stark belastet.
Es gibt zudem Wechselwirkungen mit anderen Grunderkrankungen, etwa bei Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes.
 

Sie plädieren für Zahnerhalt — doch sind wacklige Zähne die Alternative?

Dr. Weber: Bisweilen sind die Zähne nicht mehr zu retten, doch vorab lässt sich noch vieles tun — übrigens auch ästhetisch. Man kann die langen, unschönen Zahnhälse bei PA »schienen« und sie so stabilisieren. Eigene Zähne sind immer besser als Implantate oder andere Prothesen. Für eine Sanierung überprüfen wir übrigens alle Zahnmaterialien auf ihre Verträglichkeit beim Patienten.
Wir legen Wert auf biokompatible, für Allergiker geeignete Komposite für Füllungen und Schienungen sowie auf Vollkeramik bei Inlays, Kronen und Implantaten.
 


 

Zur Person

TopFit 2013-04- Abb02 Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber
betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in München-Sendling (Kassen und privat). Sie ist auch in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e. V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u. a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetisch-biologischer Falten- und Papillenunterspritzung bei Lippen und Mund.
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 
 


 
Parodontitis - neue Behandlung mit effektiven Mikroorganismen

(TopFit 3/2015, Jg. 15, S. 15)

 

(Den vollständigen Artikel in Form einer herunterladbaren pdf-Datei erreichen Sie über Klicken auf das Artikel-Bild.
Die gesamten Ausgaben des Gesundheits-Magazins TopFit finden Sie auf deren Website unter www.topfit-gesund.de)