Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 

  Gute Zähne tragen wesentlich zu Wohlbefinden, Selbstbewusstsein und vor allem zur Gesundheit bei — ein Aspekt, der sich mit zunehmendem Alter immer stärker bemerkbar macht. Kranke Zähne, falscher Biss oder Parodontitis sind Risikofaktoren für eine Reihe von Zivilisationskrankheiten.
   Von Dr. Lena Kertag
 

 

Ästhetische Sanierung (Foto: Fotolia - Ocskay Bence)

Foto: Fotolia (Ocskay Bence)


Wer denkt schon an Zähne als Verursacher oder Risikofaktoren für ganz andere Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen?
 
Doch Zahnlücken oder ein falscher Biss aufgrund von schlecht sitzendem Zahnersatz sind nicht allein ein ästhetisches Problem. Sie beeinflussen auch die Körperstatik und können etwa Kopf- und Rückenschmerzen verursachen.
 
Die größte Gesundheitsgefahr stellt jedoch eine infektiöse Dauerbelastung durch chronische Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) bzw. des Zahnhalteapparats (Parodontitis) dar.
 
 
 

Gesundheitskiller Parodontitis

Die Zusammenhänge zwischen Parodontitisbakterien aus Zahnbelägen und Zahnfleischtaschen und einigen unserer Wohlstandskrankheiten sind mittlerweile belegt. Die Bakterien können nämlich in die Blutbahn gelangen und dort zirkulieren. Auf diese Weise erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Keime rufen Gefäßveränderungen hervor, die zu Arterienverkalkung führen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. Besteht gleichzeitig ein metabolisches Syndrom (bauchbetonte Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- und Glukosewerte) steigt das Risiko für eine koronare Herzerkrankung enorm an.
Eine Wechselbeziehung besteht bei Diabetes mellitus. Eine Parodontitis-Behandlung verbessert den Diabetes-Status. Umgekehrt gilt: Je besser der Blutzucker eingestellt ist, desto erfolgreicher die Parodontitis-Behandlung.
Parodontitisbakterien spielen auch bei chronischen Atemwegserkrankungen eine Rolle. Die Erreger werden aus Mundhöhle oder Rachen eingeatmet. Vor allem bei älteren Menschen können dann Lungenentzündung, chronische Bronchitis oder ein Lungenemphysem auftreten bzw. sich verschlimmern – vor allem wenn noch Zigarettenrauch, Staub und Gase hinzukommen.
Zusätzliche schlechte Mundhygiene erhöht das Risiko um das Fünffache.
Eine Parodontitis während der Schwangerschaft kann das Geburtsgewicht beeinflussen und erhöht zudem das Risiko einer Frühgeburt.
Das Immunsystem, bestimmte Bakterien und höheres Lebensalter sind zwar die Hauptursachen für eine Parodontitis, jedoch spielen verschiedene Risikofaktoren, etwa genetische Veranlagung, schlechte Mundhygiene, Rauchen, Zähneknirschen und eine unausgewogene Ernährung, ebenfalls eine Rolle.
 

Was tun?

Das A und O sind sorgfältige Zahnpflege, regelmäßige Zahnarztbesuche, Professionelle Zahnreinigung (PZR) sowie eine zahngesunde Ernährung und die Vermeidung von Risikofaktoren (Stress, Rauchen etc.). Eine Parodontitis im Anfangsstadium ist gut behandelbar. Allerdings benötigen Betroffene kürzere Abstände für die PZR und eine lebenslange regelmäßige Nachsorge, um ihre Zähne möglichst lang zu erhalten – und ihre Gesundheit nicht zu gefährden.
 

Unschöne lange Zahnhälse bei Parodontitis

Ästhetische Sanierung:
Unschöne lange Zahnhälse bei Parodontitis

können mit anitallergenen Kompositen »geschient« werden.

können mit anitallergenen Kompositen »geschient« werden.
(Fotos: Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber)

 


 

Das Interview zum Thema

TopFit 2013-04- Abb02 Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in München-Sendling (Kassen und privat). Sie ist zusätzlich in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e.V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u.a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetisch-biologischer Falten- und Papillenunterspritzung bei Lippen und Mund.
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 

Frau Dr. Weber, die Parodontitis ist auf dem Vormarsch. Wie lässt sie sich behandeln?

Dr. Weber: Parodontitis (PA) ist nicht nur ein isoliertes Krankheitsbild, sondern eine systemische Erkrankung.
Deshalb braucht es eine differenzierte Diagnostik und eine ebenso differenzierte Therapie. Bei bestehender PA ist ein enger Recall für die Professionelle Zahnreinigung, etwa alle drei bis sechs Monate, wichtig. Neben der Kürettage und Reinigung der Zahnfleischtaschen suchen wir individuell nach Alternativen.
Dazu gehören — je nach Patient — Ernährungsumstellung, homöopathische Antibiotika, ätherische Öle u. a. Als hilfreich hat sich die Gabe von Omega-3-Fettsäuren (Leinöl, Rapsöl) erwiesen.
Eine neue Therapie ist die Behandlung mit effektiven Mikroorganismen (EM), die den — neben der bestehenden Entzündung — fortschreitenden Knochenabbau stoppen kann. Zudem ist alles, was die Immunabwehr stärkt, etwa Ausdauersport, sinnvoll.

 

Es gibt auch eine genetische Disposition für PA, die teilweise schon jüngere Menschen betrifft …

Dr. Weber: Das ist richtig, wir führen hierzu spezielle Blut- und Speicheltests durch, um den Immunstatus zu bestimmen.
Da außerdem die Anzahl von Allergien steigt, ist ein Test zur Ausschaltung von Unverträglichkeitsreaktionen auf Zahnmaterialien erforderlich — ein Test, den wir schon bei der Prophylaxe anbieten. Grundsätzlich gilt: Mit der rechtzeitigen und individuell richtigen Behandlung kann man die PA fast immer stoppen.

 

Zahnerhalt steht für Sie an erster Stelle, doch sind wacklige Zähne mit langen Hälsen die Alternative?

Dr. Weber: Manchmal sind Zähne nicht mehr zu retten, doch bis es soweit ist, kann man noch einiges tun. Die langen unschönen Zahnhälse bei PA kann man etwa mit antiallergenen Kompositen, teilweise zusätzlich mit einem Glasfaserverbund, »schienen« und so stabilisieren. Hyaluronsäure ist bei zurückgezogenem Zahnfleisch hilfreich, sie wird unter die Papille gespritzt. Auf diese Weise verschwinden die unschönen leeren Dreiecke zwischen den Zähnen. Eigene Zähne sind natürlich immer besser als Zahnersatz, doch falls Zähne nicht erhalten werden können:
Die Zahntechnik schreitet mittlerweile rasant voran, und Brücken, Prothesen und Implantate werden immer besser.
Es gibt sie alle in biokompatibler Vollkeramik.

 
 


 
Gesunde Zähne - unverzichtbar für die Allgemeingesundheit

(TopFit 1/2016, Jg. 16, S. 13)

 

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