Bissführungsschienen

 

Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 
Nacken- und Rückenschmerzen - Lösung in der Zahnmedizin
 
 
Manche Menschen plagen sich mit unerklärlichen Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen. Die meisten von ihnen wissen nicht, dass dies auch am Kauapparat und an ihrem Biss liegen kann. Zuständig ist dann der Zahnarzt, der den Fehlbiss mit einer Schienentherapie korrigiert.
      Von Dr. Lena Kertag
 
 
 
Oft findet sich der Auslöser von Schmerzen oder Erkrankungen gar nicht am Ort, wo diese auftreten. Dies gilt insbesondere für Zähne und Kauapparat, die Symptome oder Schädigungen in ganz anderen Körperteilen verursachen können. Beispielsweise wirken sich chronische Eiterzähne oder Parodontis schädlich auf das Herz-Kreislauf-System aus. Auch bei Schmerzen des Bewegungsapparats sind oft die Zähne schuld. 80 Prozent aller Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen werden von einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), also einer Funktionsstörung im Kauorgan, verursacht.
Wenn sich Kiefergelenkspositionen und Biss verändern, können solche, aber auch andere Symptome auftreten. Schätzungsweise gehen rund 50 Prozent aller Trigeminusneuralgien auf einen Fehlbiss (oder einen Fehlbiss durch falsch sitzenden Zahnersatz) zurück.
 

Ganzheitliche Untersuchung beim Zahnarzt

 
Vor einem Zahnarztbesuch sind andere Ursachen von Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen beim Orthopäden, Hausarzt bzw. Internisten abzuklären. Patienten sollten dabei keine Schuheinlagen tragen. Viele Orthopäden verordnen oft einseitig erhöhte Einlagen wegen einer anatomischen Beinlängendifferenz (die es allerdings nur in drei Prozent der Fälle gibt).
 
Durch die Einlagen werden zwar das Becken gerade und die Beine gleich lang – doch die Wirbelsäule wird stärker gekrümmt und rotiert: Es entstehen Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen.
In vielen Fällen liegt jedoch keine anatomische, sondern eine funktionelle Beinlängendifferenz vor. Diese kann durch den Vorkontakt eines Zahns, einer Krone oder von neuem Zahnersatz hervorgerufen werden. Deshalb müssen die Zahnkontakte geprüft werden. Hierzu eignet sich die Funktionelle Myodiagnostik (früher Applied Kinesiology), d. h. die Austestung des richtigen Bisses an bestimmten Muskeln. Mit dem sogenannten Meersseman-Test wird dann die Bisssituation mit Watteröllchen direkt im Mund ausgetestet. Der Patient geht dabei mit zwischen die Seitenzähne gelegten Watteröllchen im Raum umher. Die Lage des Unterkiefers ändert sich dann im Gelenkraum, ebenso die Okklusion (Zusammenbiss). Die Kiefergelenke werden gleichmäßig belastet, deshalb blockiert das Iliosakralgelenk nicht mehr. Wirbelsäule wie auch Rücken werden gerader. Die Watteröllchen werden entsprechend verändert, bis die richtige Bisslage erreicht ist. Bei einem nochmaligen Muskeltest ist die Beinlängendifferenz dann verschwunden. Dies zeigt, wie sensibel der Körper reagiert.
 

Schienentherapie

 
Um die Wirbelsäule dauerhaft zu stabilisieren, muss die erreichte Bissposition mit einer Aufbissschiene reguliert werden. Dazu folgen die gleichen Tests, allerdings mit weichem Wachs (statt mit Watteröllchen). Der Zahntechniker fertigt mit der Wachsplatte eine Schiene an, die der Patient trägt und die regelmäßig kontrolliert wird. Nach einigen Wochen oder Monaten hat sich die schmerzhafte Nacken- und Rückenproblematik meist gebessert bzw. gar normalisiert.
 

Bissführungsschiene mit geschlossener Unterkieferfront

Bissführungsschiene mit geschlossener Unterkieferfront


 
Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront.

Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront.
Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber, 123RF (Teeramet Thanomkiat)


 
 


 

Das Interview zum Thema

Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in München-Sendling (Kassen und privat). Sie ist in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e. V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u. a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetischbiologischer Falten- und Papillenunterspritzung bei Lippen und Mund.
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 

Frau Dr. Weber, wie gehen Sie gegen Fehlbiss vor?

Dr. Weber: Mit einer Bissschienentherapie — allerdings erst nach Klärung der Ursache. Ein Fehlbiss kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, u. a. Zähneknirschen, eine frühere Gebisssanierung, bei der sich ein Unterbiss entwickelt hat, oder das Fehlen von Seitenzähnen. Aber auch eine nicht bemerkte funktionelle Beinlängendifferenz kann einen Fehlbiss bewirken. Die Folgen sind oft Kopf- und (Hals-)Wirbelsäulenschmerzen. In unserer Praxis führen wir spezielle Tests (Funktionelle Myodiagnostik, Meersseman-Test) durch, um eine Beinlängendifferenz sowie andere Abweichungen von der Körperstatik aufzuspüren und die richtige Bisslage zu finden. Diese Bisslage wird anschließend in Wachs fixiert und in eine Schiene umgesetzt.
 

Wie lange muss der Patient diese Bissführungsschiene tragen?

Dr. Weber: Das kann individuell sehr unterschiedlich sein. Manchmal muss sie der Patient nur vier Wochen tragen, oft dauert es allerdings länger. Wenn schon langjährig chronische Schmerzen bestehen, empfiehlt sich eine Kombination aus zahn- und allgemeinmedizinischen Maßnahmen.
 
Es gibt zudem weitergehende Möglichkeiten, um Körperstatik und Bisslage zu messen. Dazu ist eine genaue Dokumenation der Beschwerden vor und nach der Schienentherapie notwendig.
Beispielsweise kann man mit einem Messgerät präzise feststellen, ob und wie häufig Patienten nachts knirschen. Dies kann für die geeignete Behandlungsstrategie bzw. für die passende Zahnrestauration wichtig sein.
 

Sie bieten auch eine Schnarchtherapie mit Schienen an. Wie funktioniert das?

Dr. Weber: Zunächst muss geklärt werden, ob der Patient ein Fall für den Schlafmediziner ist, etwa bei schweren Formen des Schlafapnoe-Syndroms. Doch schon »harmloses« Schnarchen, also eine Störung des natürlichen Atmens durch die Nase, führt zu einem nicht-erholsamen Schlaf und mit der Zeit zu einer ernsten Schlaferkrankung.
 
Deshalb sollte man hier unbedingt vorbeugen, zumal sich Schnarchen im Alter verstärkt. Nach einer Klärung der Ursachen kann man oft mit Schnarchschienen helfen. Diese Schienen schieben den Unterkiefer etwas nach vorn, halten den hinteren Zungenraum im Rachen frei und wirken so einer Muskelerschlaffung entgegen.
 
 


 
Nacken- und Rückenschmerzen - Lösung in der Zahnmedizin

(TopFit, 01/2017 Jg. 17, S. 13)

 

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Die gesamten Ausgaben des Gesundheits-Magazins TopFit finden Sie auf deren Website unter www.topfit-gesund.de)

 
 

 

Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 

  Kommt Ihnen das bekannt vor?
Morgens beim Aufwachen ist das Gesicht verspannt, der Nacken schmerzt. Oder Sie wachen völlig gerädert auf, als hätten Sie gar nicht richtig geschlafen. Dann sollten Sie vielleicht einmal zum Zahnarzt gehen, denn im ersten Fall könnte es sich um eine Zahnfehlstellung handeln, die Ihnen zu schaffen macht, im zweiten um Schnarchen. Und ja — auch wenn Sie schnarchen, sind Sie beim Zahnarzt erst mal richtig.

   Von Dr. Lena Kertag
 

 

Bissführungsschiene (Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber, Dr. Hinz KFO Labor)

(Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber, Dr. Hinz KFO Labor)


Zähneknirschen (Bruxismus) ist ein Problem unserer Zeit. Schätzungsweise 30  Prozent der Bevölkerung sind betroffen, zu einem Großteil Frauen im mittleren Alter. Vermutlich spielt anhaltender Stress eine Rolle. Auch Kinder können zu Zähneknirschen neigen, wenn die zweiten Zähne kommen. Dann werden störende Stellen sozusagen »eingeschliffen«. Die Folgen des nächtlichen Mahlens sind u. a. Schädigungen der Zähne an den Schneidekanten und Kauflächen oder Risse im Zahnschmelz.
 
Daneben gibt es andere Faktoren wie schlecht sitzende Füllungen oder Zahnersatz. Auch Haltungsschäden, etwa ein Beckenschiefstand oder eine Beinlängendifferenz, können sich auf die (Hals-)Wirbelsäule und weiter auf die Kiefergelenke und das Kausystem auswirken.
 
Generell haben chronische Anspannungsreaktionen welcher Art auch immer negative Auswirkungen auf Zahngesundheit und Allgemeingesundheit.
Neben psychischen und verschiedenen körperlichen Auswirkungen, wie etwa erhöhter Blutdruck oder Schwächung der Immunabwehr, kann sich die ganze Situation im Mund-Kiefer-Bereich verändern. Bei Verdauungsstörungen wird der Speichel sauer, was zu einer Erosion der Zähne führen kann. Auf Stress reagieren die Gesichtsmuskeln und mit ihnen die Kaumuskeln, was nicht nur zu Zähneknirschen, sondern auch zu Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sowie Trigeminusneuralgien führen kann. Schätzungsweise gehen rund 50 Prozent aller Trigeminusneuralgien auf einen Fehlbiss (oder einen Fehlbiss durch falsch sitzenden Zahnersatz) zurück.
 

Bissführungsschienen

Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront.

Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront.

Gegen nächtliches Zähneknirschen und vermehrten Zahnabrieb hilft eine speziell angepasste COPA-(Craniomandibulärer-Orthopädischer-Positionierungs-Apparat)-Schiene. Sie stellt die richtige Kaufunktion wieder her und beseitigt so auch oft chronische Schmerzen.
Wichtig ist hier allerdings Ursachenforschung.
Ein Fehlbiss kann sich auch aufgrund anderer körperlicher Ursachen entwickeln, neben Haltungsschäden, etwa durch ein Schleudertrauma oder sogar durch falsche Atmung.
 

Schnarchtherapie

Intraorales Zweischienen-System zur Schnarchtherapie.

Intraorales Zweischienen-System zur Schnarchtherapie.
(Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber, Dr. Hinz KFO Labor)

Schnarchen – hier sind vermehrt Männer betroffen – kann ebenfalls ein Fall für Zahnmediziner sein. Es gibt verschiedene Ausprägungen des Schnarchens, daher muss zunächst die Ursache ermittelt werden, also ob es sich um eher »harmloses« Schnarchen handelt oder aber um eine obstruktive Schlafapnoe, d.h. Schnarchen mit zeitweiligem Atemstillstand. Beide Formen haben eine verminderte Leistungsfähigkeit zur Folge bzw. führen im Extremfall zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 
Eventuell werden Betroffene in ein Schlaflabor überwiesen. Doch oft können Zahnärzte etwas tun. Abhilfe schafft – mit Ausnahme extremer Formen – eine intraorale Schnarchtherapie-Schiene, die Zunge und Unterkiefer etwas nach vorn schiebt und damit den Rachenraum frei hält.

 


 

Das Interview zum Thema

TopFit 2013-04- Abb02 Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in MünchenSendling (Kassen und privat). Sie ist zusätzlich in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e.V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u.a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetisch-biologischer Faltenunterspritzung bei Lippen und Mund.
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 

Frau Dr. Weber, wie gehen Sie gegen Zähneknirschen und Fehlbiss vor?

Dr. Weber: Mit einer Bissschienentherapie — allerdings erst nach Klärung der Ursache.
Ein Fehlbiss kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, u. a. Zähneknirschen, eine frühere Gebisssanierung, bei der sich ein Unterbiss entwickelt hat, oder das Fehlen von Seitenzähnen. Auch eine gar nicht bemerkte Beinlängendifferenz kann einen Fehlbiss bewirken. Die Folgen sind oft Kopf-, Halswirbelsäulen- und Rückenschmerzen.
In unserer Praxis führen wir spezielle Tests durch, um die richtige Bisslage zu finden. Wichtig sind dabei u. a. der Muskeltest (myofunktionelle Therapie, früher:
Applied Kinesiology) und eine Analyse der Beinlängendifferenz sowie andere Abweichungen von der Körperstatik. Beim Mersemann-Test zur Ermittlung einer Beinlängendifferenz wird die Bisssituation mit Watteröllchen im Mund ausgetestet. Der Patient geht dabei immer wieder im Raum umher, dann werden die Watteröllchen entsprechend verändert, bis die richtige Bisslage erreicht ist.
Diese neue Lage wird anschließend in Wachs fixiert, um die exakte Bisssituation in eine Schiene umzusetzen.

 

Wie lange muss der Patient eine Bissführungsschiene tragen?

Dr. Weber: Das kann individuell sehr unterschiedlich sein. Oft muss sie der Patient nur vier Wochen tragen, bisweilen dauert es allerdings länger. Wenn schon langjährig chronische Schmerzen bestehen, empfiehlt sich eine Kombination aus zahn- und allgemeinmedizinischen Maßnahmen.

 

Sie bieten auch Schnarchtherapie mit Schienen an. Wie funktioniert das?

Dr. Weber: Zunächst muss geklärt werden, ob der Patient ein Fall für den Schlafmediziner ist, etwa bei schweren Formen des Schlafapnoe-Syndroms. Doch schon »harmloses« Schnarchen, für das wir zuständig sind, führt zu einem nicht-erholsamen Schlaf und mit der Zeit zu einer ernsten Schlaferkrankung.
Deshalb sollte man hier unbedingt vorbeugen, zumal sich Schnarchen im Alter verstärkt. Nach einer Klärung der Ursachen kann man oft mit einer Schnarchschiene helfen. Die Schienen schieben den Unterkiefer etwas nach vorn, halten den hinteren Zungenraum im Rachen frei und wirken einer Muskelerschlaffung entgegen.

 
 


 
Den richtigen Biss finden

(TopFit 2/2016, Jg. 16, S.15)

 

(Den vollständigen Artikel in Form einer herunterladbaren pdf-Datei erreichen Sie über Klicken auf das Artikel-Bild.
Die gesamten Ausgaben des Gesundheits-Magazins TopFit finden Sie auf deren Website unter www.topfit-gesund.de)