Zahndiagnose

 

Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 

  Früher mussten sich Menschen mit unschönen Zähnen einfach mit ihrem Schicksal abfinden. Heute kann man vieles therapieren bzw. ästhetisch verbessern.
Veneers kaschieren hässliche Frontzähne, Bleaching hellt das Lächeln auf, Implantate sind bei fehlenden Zähnen auf dem Vormarsch. Neuestes Thema sind Hyaluronsäure-Injektionen bei Parodontitis.

      Von Dr. Lena Kertag
 

 

topfit_2016-03-i01Die gute Nachricht vorweg:
Durch Vorsorge, nämlich durch die Professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt – die nun übrigens teilweise von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, – treten bestimmte Zahnerkrankungen seltener auf, etwa Karies. Viele Menschen sind heute zudem gesundheitsbewusster. Es hat sich herumgesprochen, dass sorgfältige Zahnpflege, gesunde Ernährung und Lebensführung auch für die Zahngesundheit wesentlich sind.
Allerdings geht Zahnärzten die Arbeit nicht aus: Parodontitiserkrankungen haben z. B. zugenommen.
 
Da wir immer älter werden, müssen wir uns auch mit altersbedingten Veränderungen der Zähne herumschlagen, etwa Karieserkrankungen durch Geweberückbildung (Wurzelkaries), Risse und Randspalten bei schlecht sitzendem Zahnersatz, Abrasionen und Erosionen des Zahnschmelzes etc. – oft begünstigt durch längeres »Aufschieben« des Zahnarztbesuchs.
Dabei ist die moderne Zahnmedizin eine Präventivmedizin. Sie will möglichst viele »Reparaturen« schon im Vorfeld abwenden. So ist etwa eine Parodontitis (PA) im Anfangsstadium gut behandelbar. Ganzheitlich orientierte Zahnmediziner haben zudem die Gesamtgesundheit – die Wechselbeziehung von Zähnen und Organismus – immer im Blick. Auch die weiße Ästhetik von Zahnsanierungen wird immer wichtiger.
 
 

Hyaluronsäure zur Parodontitistherapie

 
Hyaluronsäure (HA) – ein natürlicher Bestandteil unseres Bindegewebes – ist hauptsächlich als Mittel gegen Falten bekannt. Auch in der Zahnmedizin wird sie seit einigen Jahren eingesetzt, um unschöne schwarze Dreiecke zwischen den Zähnen zu minimieren. Hyaluronsäure polstert quasi die Papillen auf.
 
Nun wird Hyaluronsäure in Kombination mit Laser oder Ozon auch gezielt zur biologischen Therapie der marginalen Parodontitis (PA, die vom Zahnfleischrand ausgeht) angewendet, da sie einen hohen Schutz gegen schädliche Bakterien bildet. Hierzu gibt es ein neues HA-Präparat, das in einer klinischen Studie an PA-Patienten getestet wurde. Es besitzt antiinflammatorische und antiödematöse Effekte und wirkt auch als Radikalfänger. Im Vergleich zur Kontrollgruppe war der Erfolg einer PA-Taschenreduktion doppelt so hoch. Weitere positive Effekte waren, dass die notwendige Zahnfleischbehandlung weniger schmerzhaft ausfiel und auch die Wundheilung schneller verlief.
 
Auch wenn eine PA schon fortgeschritten ist, muss – neben der notwendigen Behandlung – die Ästhetik nicht zu kurz kommen. Unschöne lange Zahnhälse können mit biokompatiblen Kompositen stabilisiert werden, sodass die Zähne wieder relativ normal erscheinen. Das verbessert einerseits das Aussehen, andererseits dient es einem möglichst langen Zahnerhalt.
 

Ästhetische Sanierung: Hyaluronsäure-Injektion zur PA-Taschenreduzierung.

Ästhetische Sanierung:
Hyaluronsäure-Injektion zur PA-Taschenreduzierung.

Unschöne lange Zahnhälse bei Parodontitis können mit antiallergenen Kompositen aufgefüllt und modelliert werden.

Ästhetische Sanierung:
Unschöne lange Zahnhälse bei Parodontitis können mit antiallergenen Kompositen aufgefüllt und modelliert werden (siehe unten).

Fotos: Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber, Dr. med. dent. Frank Liebaug, fotolia.com (sebra)

Fotos: Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber, Dr. med. dent. Frank Liebaug, fotolia.com (sebra)


 


 

Das Interview zum Thema

TopFit 2013-04- Abb02 Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in München-Sendling (Kassen und privat). Sie ist zusätzlich in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e. V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u. a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetisch-biologischer Falten- und Papillenunterspritzung bei Lippen und Mund.
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 

Frau, Dr. Weber, was kann man für seine Zahngesundheit tun?

Dr. Weber: Das A und O sind sorgfältige Zahnpflege, regelmäßige Zahnarztbesuche, Professionelle Zahnreinigung sowie eine zahngesunde Ernährung und die Vermeidung von Risikofaktoren (Stress, säurehaltiges Essen, Rauchen etc.). Zudem ist alles, was die Immunabwehr stärkt, auf jeden Fall viel Bewegung, etwa Ausdauersport, sinnvoll, denn kranke Zähne oder auch nur ein falscher Biss beeinflussen die Gesamtgesundheit.
Umgekehrt gilt: Kranke Zähne können Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben — bis hin zu Allergien, rheumatischen Krankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sie legen Wert auf ästhetische Zahnsanierung …

Dr. Weber: … Zunächst geht es mir um die (Zahn-)Gesundheit — doch gleich danach um eine ästhetisch ansprechende Sanierung ohne Metalle. Alle verwendeten Zahnmaterialien werden in unserer Praxis auf ihre Verträglichkeit hin überprüft. Wir legen Wert auf biokompatible, antiallergene Komposite für Füllungen und »Schienung« von schon lockeren Zähnen oder Modellation von langen Zahnhälsen sowie auf Vollkeramik bei Veneers, Kronen, Brücken, Inlays, Prothesen und Implantaten.
Übrigens: Die neuen Komposite zeitigen ganz erstaunliche Ergebnisse bei maximalem Erhalt von Zahnsubstanz.
Man kann damit sogar abgebrochene Zähne restaurieren, ohne den Zahn für eine Krone abschleifen zu müssen. Und was die Prothetik betrifft:
Kronen, Brücken und Implantate aus Vollkeramik wirken am natürlichsten.
Es gibt dadurch auch keine unschönen schwarzen Ränder mehr. Wir können die Natur mittlerweile fast perfekt nachahmen — und auch unschöne Zähne schön machen.

Sie haben bereits Erfahrung mit der neuen HA-Therapie?

Dr. Weber: Bisher war unter die Papille gespritzte Hyaluronsäure als ästhetische Korrektur hilfreich. Die neue HA-Behandlung mit Laser wird nun auch direkt zur Therapie von Parodontitis eingesetzt. Sie hat einen positiven Einfluss auf die Knochenregeneration und die Wundheilung, da sie eine Blockade für Keime bildet. Hyaluronsäure scheint zudem bei der Neustrukturierung von defekten Gewebezellen als Regulator zu fungieren. Die Hyaluronsäure hat es in sich: Positive Effekte zeigen sich auch bei der Behandlung von Zahnfleischentzündung mit einem Hyaluronsäure-Gel.

 
 


 
Hyaluronsäure — für Therapie und Ästhetik

(TopFit 3/2016, Jg. 16, S.13)

 

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Die gesamten Ausgaben des Gesundheits-Magazins TopFit finden Sie auf deren Website unter www.topfit-gesund.de)

 
 

 

Diagnose & Therapie – Ganzheitlich-ästhetische Zahnmedizin

 

  Vorsorge ist wichtig. Eine professionelle Zahnprophylaxe deckt nicht allein Zahnprobleme frühzeitig auf, sondern sie kommt — sofern sie von ganzheitlichen Zahnmedizinern durchgeführt wird — auch Leiden auf die Spur, die wir gar nicht mit unseren Zähnen in Zusammenhang bringen. Und bei manchen kann man hier mit einfachen mechanischen Mitteln Abhilfe schaffen.
   Von Dr. Lena Kertag
 

 
Wer regelmäßig zu einer Prophylaxe bei ganzheitlichen Zahnmedizinern geht, kann frühzeitig größeren Zahnschäden, aber auch körperlichen Erkrankungen vorbeugen.
Bei einer solchen Prophylaxe werden nicht nur Zähne und Zunge von Belägen gereinigt, sondern es gibt z. B. Tests zur Verträglichkeit von Dentalmaterialien.
Auch Störfelder, die sich nicht nur auf die unmittelbare Umgebung im Mund-Kiefer-Bereich, sondern auf andere Organe im Körper auswirken können bzw. von dort aus wirken, sind ein Thema. Ganzheitliche Zahnmediziner haben immer die Gesamtgesundheit des Patienten im Blick und bieten daher bei Problemen spezielle Untersuchungen an, um den Ursachen auf die Spur zu kommen.
 
In diesem Zusammenhang kommt auch ein Problem unserer Zeit ins Spiel: Stress. Chronische Anspannungsreaktionen haben meist negative Auswirkungen auf die Zahngesundheit.
Neben bekannten psychischen und allgemeinkörperlichen Auswirkungen, wie etwa erhöhter Blutdruck oder Schwächung der Immunabwehr, kann sich auch die Situation im Mund-Kiefer-Bereich verändern. Bei Verdauungsstörungen wird der Speichel sauer, was zu einer Erosion der Zähne führen kann. Auf Stress reagieren die Gesichtsmuskeln und mit ihnen die Kaumuskeln, was zu Zähneknirschen, vermehrtem Zahnabrieb, aber auch zu Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sowie Trigeminusneuralgien führen kann. Schätzungsweise gehen rund 50 Prozent aller Trigeminusneuralgien auf einen Fehlbiss (oder einen Fehlbiss durch falsch sitzenden Zahnersatz) zurück.
Oft werden erst bei einer professionellen Zahnprophylaxe ein verfrühter Verlust der Zahnsubstanz, Fehlbiss und die Mitschuld von Zähnen an ganz anderen Schmerzen erkannt.
 
 

Bissführungsschienen gegen Fehlbiss und Zahnabrieb

Gegen nächtliches Zähneknirschen und vermehrten Zahnabrieb hilft eine speziell angepasste COPA-(Craniomandibulärer-Orthopädischer-Positionierungs-Apparat)-Schiene. Sie stellt die richtige Kaufunktion wieder her und beseitigt so auch oft chronische Schmerzen.
Wichtig ist hier allerdings Ursachenforschung.
Ein Fehlbiss kann sich auch aufgrund anderer körperlicher Ursachen entwickeln, etwa nach einem Schleudertrauma, bei einer Beinlängendifferenz oder sogar bei falscher Atmung.
 
 

Schnarchtherapie

Schnarchen kann ein weiterer Fall für Zahnmediziner sein. Wenn sich bei der Prophylaxe herausstellt, dass der Patient schnarcht, wird weiter geforscht. Da es verschiedene Ausprägungen des Schnarchens gibt, muss zunächst die Ursache ermittelt werden, also ob es sich um eher »harmloses« Schnarchen handelt oder aber um eine obstruktive Schlafapnoe, d. h. Schnarchen mit zeitweiligem Atemstillstand. Beide Formen haben eine verminderte Leistungsfähigkeit zur Folge bzw. führen im Extremfall zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außer in schweren Fällen kann man hier oft mit einer Schnarchtherapie-Schiene helfen.
 
 

Intraorales Zweischienen-System zur Schnarchtherapie

Intraorales Zweischienen-System zur Schnarchtherapie


Bissführungsschiene mit geschlossener Unterkieferfront

Bissführungsschiene mit geschlossener Unterkieferfront


Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront

Bissführungsschiene mit offener Unterkieferfront

(Fotos: Dr. Ilse-Phil Weber, Dr. Hinz KFO Labor)

 


 

Das Interview zum Thema

TopFit 2013-04- Abb02 Dr. med. dent. Ilse-Phil Weber betreibt seit 1992 eine Praxis für ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und Ästhetik in München-Sendling (Kassen und privat). Sie ist zusätzlich in Homöopathie und in Akupunktur ausgebildet und qualifiziertes Mitglied der GZM (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin e. V.). Laufend Fortbildungen in zahnärztlicher Naturheilkunde und ästhetischer Zahnmedizin (u. a. in Hamburg, Berlin, Würzburg, New York und Las Vegas). Frau Dr. Webers Schwerpunkte sind ganzheitlich-biologische Zahnmedizin und vor allem ästhetische metallfreie Restaurationen. Sie ist qualifiziert in Umweltzahnmedizin und zertifiziert in ästhetisch-biologischer Faltenunterspritzung bei Lippen und Mund.
 
Infos: www.zahnarztpraxis-dr-weber.de
 
 

Frau Dr. Weber, was ist normal, wenn sich Zähne abnutzen, was nicht?

Dr. Weber: Mit zunehmendem Alter nutzen sich unsere Zähne auf mehr oder weniger natürliche Weise ab. Das beginnt übrigens bereits beim Zähneputzen. Es gibt jedoch einen Verlust an Zahnsubstanz, der viel früher einsetzt. Daran ist oft eine stressbedingte Abrasion schuld, etwa durch nächtliches Zähneknirschen und Fehlbiss, aber auch durch eine falsche Ernährung. Der ständige Genuss von säurehaltigem Essen und Getränken — von Orangen bis zu Cola und Wein — führt zu einer frühzeitigen Erosion der Zähne.
 
 

Wie gehen Sie gegen Fehlbiss vor?

Dr. Weber: Mit einer Bissschienentherapie — allerdings erst nach Klärung der Ursache.
Ein Fehlbiss kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, u. a. etwa eine frühere Gebisssanierung, bei der sich ein Unterbiss entwickelt hat, oder das Fehlen von Seitenzähnen, Zähneknirschen, eine Beinlängendifferenz. Die Folgen sind oft Kopf-, HWS- und Rückenschmerzen.
In unserer Praxis führen wir spezielle Tests durch, um die richtige Bisslage zu finden. Wichtig sind dabei u. a. der Muskeltest (Applied Kinesiology) und eine Analyse der Beinlängendifferenz sowie andere Abweichungen von der Körperstatik. Die neue Bisslage wird anschließend in Wachs fixiert, um die exakte Bisssituation in eine Schiene umzusetzen. Oft muss sie der Patient nur vier Wochen tragen, manchmal dauert es allerdings länger.
 
 

Sie bieten auch Schnarchtherapie mit Schienen an. Wie funktioniert das?

Dr. Weber: Zunächst muss geklärt werden, ob der Patient ein Fall fürs Schlaflabor bzw. den Schlafmediziner ist. Es gibt schwere Formen des Schlafapnoe-Syndroms. Doch schon »harmloses« Schnarchen, für das wir zuständig sind, führt zu einem nicht-erholsamen Schlaf und mit der Zeit zu einer ernsten Schlaferkrankung. Deshalb sollte man hier unbedingt vorbeugen, zumal sich Schnarchen im Alter verstärkt. Nach einer Klärung der Ursachen für das Schnarchen kann man hier oft mit einer Schnarchschiene helfen.
Solche Schienen schieben den Unterkiefer etwas nach vorn und halten so den hinteren Zungenraum im Rachen frei. Auf diese Weise wirken sie einer Muskelerschlaffung entgegen.
 
 


 
Prophylaxe gegen Abnutzung, Fehlbiss und Schnarchen

(TopFit 2/2015, Jg. 15, S. 19)

 

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